Danke an das Team für die gute Organisation des Kongresses. Es gab immer genug zu trinken und zu essen, in angenehmen Räumlichkeiten, kein Tohuwabohu, wo findet was statt. Es gab genügend Informationen über den Ablauf.
Schade.
Benediktus Hardorp ist deutlich über 80 Jahre alt. Sein Vortrag zur Wirtschaft und zum Steuerwesen war wichtig und informativ. Leider passierte ihm ein Fauxpas im Diskussionsteil (man sollte nie wertend über Vertreter anderer Positionen sich äußern). Danach war die Diskussion aufgeregt, in der Luft lag etwas Negatives und ich zog es vor, das Weite zu suchen.
Bei der nächsten Veranstaltung, die ich mir ausgesucht hatte, bin ich dann vollends in den Morast getreten. So kann es passieren. Der Workshop-Anbieter stellte gleich zu Beginn des Treffens klar, ihm sei es egal, ob das Grundeinkommen eingeführt wird oder nicht, und das er die Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens nicht gut findet.
Der Titel des Workshops suggerierte ein interessantes Thema, wo es stattdessen (ideologisch) hingehen sollte, war die Schuld der westlichen Welt an dem Elend der Weltbevölkerung, und (im übertragenen Sinne) das wir uns was schämen können, auch noch mit dem Grundeinkommen (auf Kosten anderer womöglich) uns wieder ein besseres Leben basteln zu wollen.
Um »Aufstellungen« ging es in der nächsten Veranstaltung, die ich mir ausgesucht hatte und tatsächlich, es war eine spannende, ungewöhnliche und ergebnisreiche Veranstaltung (in zwei Teilen), die methodisch andere als die üblichen Wege der Auseinandersetzung ging.
Den Vortrag von Götz Werner habe ich verpasst. Aber ich kenne so gut wie alle Vorträge und Interviews über das Internet, als Videoaufzeichnung, Podcast oder Online-Pressebericht.
Den Sonntagvormittag wollte ich noch mitnehmen, da das Thema spannend schien und Ralf Boes ein ausgewiesener Grundeinkommens-Kenner ist und ideenreich und witzig die bGE-Idee vermitteln kann. Im Programm stand:
Wie kann der Kulturimpuls Grundeinkommen Wirklichkeit werden?
Vom praktischen Umgang mit Ideen und Idealen – Anregungen zu Vertiefung und Stärkung der Initiativarbeit - Workshop mit Ralph Boes
Es war kein Workshop! Ich hatte mich schon gewundert warum eine Kamera lief. Ralf Boes hielt einen Vortrag, was mich weitaus weniger interessierte. Die Organisatoren fanden das nicht so tragisch, Workshop oder Vortrag, was soll's. Zum Schluss kulminierte das »Unerwünschte« und »Nicht-Gebuchte«. Das Mitglied einer bGE-Initiative wollte noch was vorführen. Meine Aufmerksamkeitsbereitschaft litt jetzt schon beträchlich. Als Allerletztes sollte »World Cafe« stattfinden. Was das ist, worauf man sich da einlässt, war nicht so recht zu erfahren. - Ja und dann hatte ich genug von Angeboten, die man sich nicht aussuchen konnte, nicht das waren was sie vorgaben oder sich nicht vorab klar darstellen ließen, und bin kurz entschlossen nach Hause gefahren.
Summa summarum war ich mit einem facettenreichen Kogressablauf gut bedient.
PS:
Ich nachhinein fehlte mir der Austausch. Erfahrungen, Erlebnisse, Perspektiven der Grundeinkommens-Aktiven und -Initiativen auszutauschen. Und das sehr ausführlich. Stattdessen hatte ich eine Podiums-Diskussion, 2 Vorträge (einen weiteren Vortrag hatte ich schon weggelassen), eine Mitteilung, ein Methodenbeispiel. - Ja, vielleicht das nächste Mal.
bGE-Kongress - Nachklang
Zu den linken Positionen zum bGE, zur Gesellschaft, der Lebenswelt der Menschen, fiel mir ein, dass es gar nicht um »die Wahrheit« geht. Es gibt Personen, die sich zu Gruppen zugehörig fühlen und darüber geht nichts, ist nichts wichtiger. Will heißen, egal was wahr ist oder nicht, die Gruppe geht vor. Dabei ist die Denkungsweise wie eine Sure oder ein Bibeltext zu verstehen, den man notfalls auch auswendig lernen kann. Der Text verbindet innerhalb der Gruppe. Und diese ist lebenserhaltend, lebensspendend, Leben schützend. Es ist kein Denkwettbewerb, was logischer ist, schlüssiger, realistischer, die Wirklichkeit besser abbildet. Die Gruppenmitglieder erkennen sich gegenseitig, in dem ein jeder den Texten (die die Ideologie formulieren) zustimmt. Deshalb werden diese Texte auch nicht diskutiert, sondern gepredigt. Wer es wagt, diese Texte zu diskutieren, muss ein Gegner sein.
Deutschenhasser. Es gibt Deutsche, die die Aufgabe (übernommen) haben, die anderen Deutschen an ihre Schuld zu erinnern. Den Holocaust als das Schlimmste, das uns Deutschen zur Last zu legen ist. Aber darüber hinaus alles Elend dieser Erde haben wir, die aus der westlichen Hemisphäre sich produzieren, zu verantworten. Und damit natürlich auch immer wir Deutschen. Die Deutschenhasser (und »westliche Kultur« Hasser) artikulieren sich zwar immer thematisch bezogen, aber nie zielorientiert. Das heißt ihnen geht es nicht darum, unsere Lebenssituationen ins Positive hin zu gestalten, wie wir besser leben, oder wie wir es besser machen können, sondern ihnen geht es nur darum, uns unsere Verbrechen vor Augen zu führen. Es geht darum uns zu lähmen, uns zu paralysieren, uns bewegungsunfähig zu machen. Hoffnung auf ein »besseres« Leben in uns zu zerstören (denn da kann doch nichts Gutes draus werden, wenn wir wieder aktiv was anpacken. Irgendjemand hat dann bestimmt wieder einen Schaden durch uns.). Es ist die pure Botschaft, »ihr ward schlecht, ihr seid schlecht, ihr werdet schlecht bleiben«.
