Samstag, 26. Mai 2012

bGE- Verschiedene Modelle?

Immer wieder liest man von »verschiedenen Modellen« beim Bedingungslosen Grundeinkommen. Was steckt dahinter?

In Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen, findet man dazu:

Solidarische Bürgergeld (Althaus-Modell), das Ulmer Modell, das Modell der von Götz Werner gegründeten Initiative Unternimm die Zukunft. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die auf Milton Friedman zurückgehende Negative Einkommensteuer .....

Das »Solidarische Bürgergeld« wird von niemandem mehr weiterverfolgt. Althaus arbeitet heute als Lobbyist in der Autobranche. Es taucht ausschließlich dann auf, wenn von den »verschiedenen bGE-Modellen« die Rede ist, spielt aber in der aktuellen Diskussion über das bGE überhaupt keine Rolle.
Das Ulmer-Modell ist ein Finanzierungskonzept. Es könnte bedeutsam werden, wenn man kurz vor der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommen steht und ist sicher interessant für Finanzmathematiker. Eine differenzierte, gesellschaftlich-philosophische Betrachtung der Wirkungen und Herleitungen wird von diesem Modell nicht geleistet. Die Negative Einkommenssteuer bezieht sich auf Bedürftige und ist an Arbeit gebunden und somit nur in Teilen mit der bGE-Idee in Beziehung zu setzen.

Als einziges Konzept des Bedingungslosen Grundeinkommen, welches man mithin als »Modell« bezeichnen kann, bleibt der umfängliche Diskussions- und Beschreibungsansatz, der rund um Götz Werner entwickelt und vertreten wird. Dieses wird permanent fortgeschrieben. Hier sind bestimmt auch die Ideen der Schweizer bGE-Initiative zu verorten.  Die  Eidgenossen haben jetzt ein Bürgerbegehren angestoßen.

Das in den Wernerschen Schriften beschriebene gesellschaftliche Szenario ist glaubwürdig, nachprüfbar und wird wiederum von einer Vielzahl weiterer Personen in der Grundeinkommensbewegung in Diskussionen und Vorträgen vertreten. Es ist das in der Bevölkerung am meisten diskutierte Bild einer veränderten Lebenswelt im Zusammenhang mit einer bGE-Umstellung. - Bei den auf Wikipedia genannten weiteren »Modellen« kann bestenfalls von Überlegungen, Berechnungsgrundlagen oder finanzielle Hilfen bei geringem Einkommen durch Steuerumstellung gesprochen werden.

Woher kommt aber dieser Popanz, diese Behauptung, es gäbe verschiedene bGE-Modelle?

In erster Linie sind es Gruppierungen, die selbst eigene Welterklärungs-Szenarien entwickelt haben und sich mit diesen am Markt der geistig-gemeinschaftlichen Orientierungen behaupten wollen, die von verschiedenen Grundeinkommens-Modellen sprechen und immer wieder betonen, dass sie sich nicht festlegen möchten, welches Modell das bessere sei. Für sie ist die in der Gesellschaft immer stärker Fuß fassende bGE-Idee eine Konkurrenz. - Parteien, Globalisierungs-Kritiker, Initiativen aus der linken Szene sprechen gerne von »verschiedenen bGE-Modellen«, um damit die Bedeutung der Wernerschen Grundeinkommensarbeit (und De-facto-Standard) kleinzureden, um sich anschließend großmütig mit ihren eigenen ( und oftmals viel länger am Wahrheitsfindungs-Markt befindlichen) Ansichten ins Spiel zu bringen.

Das kann in der Form ablaufen, dass die bGE-Idee erstmal wohlwollend beschrieben wird, um darauffolgend aber festzustellen, das zuerst das wichtigere (von der jeweiligen Gruppe anvisierte) Anliegen verwirklicht werde müsse, bevor man sich dann wieder dem bGE zuwenden könne.


http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Modell
http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Althaus



Samstag, 18. Februar 2012

Das negative Menschenbild in den Gesellschaften


Götz Werner meint, man würde über eine Grundeinkommen-Diskussion sehr schnell mit dem Menschenbild seiner Mitbürger konfrontiert. Ja, tatsächlich ist es so. Die Zweifler am bGE kommen sehr schnell an den Punkt, festzustellen, dass zu viel von der Mitwirkung der Mitmenschen abhängig ist und sie deshalb (vorerst) lieber Abstand nehmen, von einer Zustimmung zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE). Die mangelnde Mitwirkung wird entweder den eigentlichen Adressaten eines bGE unterstellt, den Armen, seien sie nun Arbeitslosengeld-, Hartz4-Bezieher oder prekär Beschäftigte oder den "Reichen". Die Armen wollen womöglich gar nicht in der Gesellschaft positiv mitwirken, seien eher Störenfriede, die, bei einem bGE in der Tasche, die noch arbeitenden Mitmenschen zu verhöhnen versuchen.

Und es gibt die Menschen mit einem negativen Menschenbild, die sich die andere Gruppe als "unsichere Kandidaten" in der Gesellschaft herausdeuten. Für sie sind die Unternehmer, das Kapital, die "Superreichen" ein rotes Tuch, Störenfriede, Egoisten, die ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen unmöglich machen. Ja sie empfehlen bisweilen, zuerst müsse der "Lohnarbeiter" sich aus der Knechtschaft des "Kapitals" befreien, bevor irgendwelche heilsamen Situationen für die "Arbeiterklasse" überhaupt denkbar seien. Das bGE könne sogar eine perfide Täuschung durch die herrschende Klasse sein und danach ist es nicht mehr weit, zu behaupten, manche Protagonisten der bGE-Bewegung seien unehrlich.
Diese Unternehmer-Skeptiker gibt es auch in der bGE-Bewegung. Dass sich Unternehmer für das bGE starkmachen, würde doch eher darauf hinweisen, dass mit dem bGE etwas nicht stimmt. Vielleicht eine Falle, eine Täuschung? Dann doch besser bei Marx bleiben.

Gemeinschaft funktioniert nur durch gemeinschaftliches Handeln. Die Nazis haben ihre Mitmenschen gezwungen, das zu tun, was diese als Herrscher als gemeinschaftliches Handeln für richtig hielten. Ist dieser Ansatz aber nicht immer noch gültig. Die Mitmenschen zwingen zu wollen, dieses oder jenes zu tun, weil es für die Gesellschaft, weil es innerhalb der Gesellschaft für richtig gedacht ist? Sind wir wirklich so weit weg vom totalitären System? Was ist Hartz4, die Arbeitslosen-Schikaniere anderes, als ein Zwangsarbeitersystem und die Agenturen- und Center-Mitarbeiter sind die Kapos, die das faule Pack anschreien und existenziell bedrohen, wenn es nicht spurt. Und dieses Szenario soll angeblich von der Mehrheit der Bevölkerung gutgeheißen werden? Ich glaube es nicht. Dies wird behauptet, damit das Unterdrückungssystem nicht instabil wird.

Heute wollen wir den Griechen sagen und sie zwingen, das zu tun, was wir, die EU, die Weltwirtschaft, für richtig halten, sonst bekommen sie keine Existenzsicherung (darum geht es ja). Die Bedingungen seien halt so, man müsse so und so handeln, die Marktgesetze, wirtschaftlichen Zusammenhänge ließen nichts anderes zu. Die Unterwerfung dieses Volkes steht kurz bevor. Wer kommt als nächstes dran? Man möge bloß nicht glauben, dass wir verschont sind. Aber wo sind die Machthaber. Sind sie lokal zu verorten. Oder global verteilt am Werk. Oder sind wir es selbst, die dieses Unglück inszenieren?

Eigentlich sind bGE-Kritiker und Unternehmer-Skeptiker Unterstützer dieser herrschenden Ideologie. Denn sie behaupten, eine freie, aus eigenem Antrieb gemeinschaftlich gestaltete Welt würde es nicht geben können. Da wäre der Egoismus der Menschen davor. Der Schritt d a n n aber, weil es eben nicht anders geht, durch totalitäre Strukturen, von oben her, mit "sanfter Gewalt" wieder für Ordnung zu sorgen, ist nicht weit. Und so schließt sich der Kreis des Unveränderlichen. Zumindest für die, die keine freien und sozial veranlagte Menschen sich denken können, die eine funktionierende Gesellschaft ermöglichen würden.




Samstag, 17. Dezember 2011

Überlegungen zur Weiterentwicklung des bGE-Gedankens



1. Menschenrechte


Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein Menschenrecht. Es passt zum Artikel 22 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte .

Artikel 22
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.



Das bGE sollte in den Grundrechtserklärungen der Gesellschaften eine ausdrückliche Verankerung und Erwähnung finden. Zum Beispiel in der Form:

            Artikel 22a
Die Staaten sorgen für eine kostenlose Existenzsicherung der Menschen. Eine Maßnahme, die diese Ansprüche in die Tat umsetzt, ist das Bedingungslose Grundeinkommen.


2. Direkte Demokratie und Volksabstimmungen


Da das Bedingungslose Grundeinkommen ein Menschenrecht ist, kann darüber nicht abgestimmt werden. Menschenrechte können nicht zur Diskussion stehen. Eine Volksabstimmung über die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens wäre also der falsche Weg. Oder kann höchstens als Versuch, das bGE noch schneller in die Tat zu bringen, angewendet werden. Wer für ein bGE eintritt, muss dies, wie bei den übrigen Menschenrechten auch, unabhängig von jeglicher weiterer Zustimmung anderer Menschen tun und die Durchsetzung desselben erreichen.




3. bGE und reale Existenzsicherung

Das bGE wird am Geld festgemacht. Dabei ist eine praktische Perspektive der bGE-Idee möglich. Die Existenzsicherung der Menschen muss sich materialisieren:

1.Wohnen

Kostenlose Wohnmöglichkeiten müssen gebaut und errichtet werden. Auf nicht zinsbelastetem Grund und Boden, der der Gemeinschaft gehört, mit nicht zinsbelastetem Kapital erbaut, verwaltet und betreut durch lokale Bau-Genossenschaften. Die Bereitstellung von kostenlosem Wohnraum ist zwingend notwendig. Dabei kann der Wohnungsmarkt weiterhin vielfältig bleiben. Es gäbe dann halt neben den maßlos überteuerten maklervermittelten Wohnungen, eine möglichst hohen Zahl an kostenlosen oder extrem preisgünstigen Wohnräumen.

2. Nahrung


Tafeln – Heute wird Nahrung bei Tafeln angeboten. Für Menschen, die sich kein Essen leisten können. Kostenlose Speisungsangebote im großen Stil müssten bereitgestellt werden. Also lokale Riesentafeln, Mensen, in denen jede Bürgerin und jeder Bürger, wenn er denn will, kostenlos essen kann. Dieses Angebot sollte in jeder Kommune, in jeder Stadt vorhanden und bekannt sein, so daß alle Menschen es nutzen können.


3. Kleidung

Kleiderkammern – Kleiderpaläste in jeder Stadt, mit allem was man zu jeder Jahreszeit zum Anziehen braucht, kostenlos.


4. Energie

Energiearmut muss verhindert werden. Jeder Bürgerin und jedem Bürger stehen zu seiner persönlichen Versorgung ein Quantum Energie zur Verfügung. Zum Wärmen/Kühlen, Nahrungsmittelzubereitung, sonstiger Nutzung. Die Energiemenge muss unabhängig von den Energieversorgern, durch modernes Energiemanagement ermöglicht, für die Menschen direkt abrufbar sein.


Mittwoch, 14. Dezember 2011

Wie schaffen wir Veränderung II

Frau Professor Doktor Margrit Kennedy berichtete in ihrer Einleitung zu ihrem Vortrag über unser Geldsystem unter anderem, dass sie bereits 30 Jahre auf die Zinsproblematik als Systemfehler aufmerksam macht und ich hatte den Eindruck, dass sie durchaus stolz war, über diese ihre Leistung.

Ich selbst war, im Nachhang, eher erstaunt und irritiert über dieses Bekenntnis, denn was besagt dieses denn.

Dass da eine Person einen gravierenden und unsere Gesellschaften schädigenden Defekt in unserem Geldsystem erkennt und dies, wo sie auch immer kann, kundtut und ja, nichts passiert. Sonst würde sie ja nach 30 Jahren nicht mehr über dieses Thema referieren, wenn das Problem gelöst wäre. Eigentlich ein Trauerspiel, oder.

Ja ich könnte sogar richtig ärgerlich auf Frau Kennedy sein. Nämlich dann, wenn ich mir ein Verhalten vorstelle, dass ich auf irgendwie natürliche Weise richtig(er) fände, als das was sie in den letzen 30 Jahren gemacht hat. Nehmen wir nur mal an, durch das nicht korrigierte Geldsystem in den letzten 30 Jahren, sind menschliche Existenzen real zerstört worden, haben Menschen Selbstmord begangen oder sogar Morde. Kann das sein? Niemals! Oder vielleicht doch?

Was ergibt sich eigentlich aus Erkenntnis. Eine Notwendigkeit zu einem bestimmten Handeln? Einem ganz bestimmten. Oder ist es egal, was man macht.

Vergleichen könnte man die Situation mit den permanenten Eingreif-Szenarien bei Krisenstaaten oder Terrorstaaten. Soll man jetzt etwas tun, eingreifen oder besser nicht. Da gibt es einmal die ständig vorhandenen Warner, bloß nichts zu unternehmen, die Berechtigung würde fehlen, der Schaden wäre hinterher womöglich noch größer als vorher und abwarten, wie die Dinge sich entwickeln würden, wäre sowieso besser. Die (vom Unglück) betroffenen Menschen würden aus Erkenntnis, irgendwann, schon selbst die Dinge zurecht rücken. Und dann gibt es natürlich auch die die raten, einzugreifen. Klar geht man ein Risiko ein, wenn man in bestehende Systeme eingreift. Man trägt die Verantwortung für die sich ergebenden Veränderungen. Aber ist das wirklich so schlimm, Verantwortung zu übernehmen. Wir müssen dies tagtäglich, immer und können uns nie entziehen.

Warum hat sich Frau Kennedy nicht nach, ich sage mal 3 bis 4 Jahren entschlossen, nachdem sie in ihr Thema eingearbeitet war und von ihren Erkenntnissen überzeugt, sich für eine Umgestaltung unserer Geldwirtschaft einzusetzen? Nein, ich meine jetzt nicht, jahrzehntelang weiter Vorträge zu halten. Dazu hat sie sich ja entschlossen. Sie hätte vielmehr aus der Überzeugung von der Richtigkeit ihrer Überlegung, eine Veränderung der Geldwirtschaft bewirken müssen.

Hätte sie also in ihrer Vortragseinleitung gesagt, ich war spätestens Ende der neunzehnhundertachtziger Jahre überzeugt von meinen Untersuchungen und habe mit all' meiner Kraft versucht, das Zins- und Zinseszins-System in unserer Geldwirtschaft abzuschaffen beziehungsweise dessen verheerende negative Wirkung einzudämmen und es ist mir nicht gelungen. All' meine Versuche diesbezüglich sind gescheitert, ich habe einfach keine Idee gehabt, wie man gesellschaftliche Veränderungen bewirkt. Dann, ja dann, hätte ich gesagt, ah Frau Kennedy ich verstehe sie.

So aber bleibt ein komisches Gefühl zurück. Ist unsere geistige Elite korrumpiert. Ging es denen und geht es denen im "alten System" so gut, dass sie sich nicht für Veränderungen einsetzen (wollen) und nach 100 Jahren immer noch die notwendigen Veränderungen "diskutieren". - Wer will, wer braucht gesellschaftliche Veränderungen? Nur diese Menschen bringen die nötige innere Einstellung mit, diesen Prozess einleiten zu wollen.

Es bedarf der Menschen, die Bremsen lockern und den Zug ins Rollen bringen, damit die Sache in Bewegung kommt und ihr Ziel erreicht. Darauf zu achten und zu unterscheiden von den anderen, ist wichtig. Auch bezüglich der Ökonomie der eigenen Kräfte.

Sonntag, 20. November 2011

Privilegien und Vorteile in der Wettbewerbsgesellschaft

Gerade eben im Radio gehört. Die Privilegien der Beamten: Altersteilzeit und eine Stunde weniger arbeiten. Aber das, was den Menschen von Vorteil ist, sollte für alle Menschen möglich sein. Heute ist es so, dass jede Lobby für sich selbst versucht, das Beste rauszuholen. Das geht dann über gesetzliche Regelungen und Vereinbarungen.

Dieser Kampf ums Überleben, um finanzielle Vorteile und Absicherungen, wird gegeneinander geführt, da wir uns als Konkurrenten sehen, und Vorteile für die Lebensgestaltung und Lebensmöglichkeiten scheinbar knapp sind. Diese Konkurrenzsituation gegeneinander macht die Menschen hartherzig und böse. Ein ruppiger Wettstreit findet unter uns statt und die Contenance geht dabei flöten. Manch' einer dreht durch und es gibt Mord und Totschlag, weil man im Wettlauf um die Pfründe nicht mithalten kann. Es bleiben dann nur noch unehrenhafte Methoden, um trotzdem zum Ziel zu kommen. Betrug, Korruption, Hinterziehung, weil man auch "haben" will.

In dieser verrohten Gesellschaft werden nachts oder bereits am Tag bevorzugt Frauen, alte Frauen überfallen und ihnen die Handtasche geraubt. Alte, Schwache und Wehrlose überfallen. Fast täglich liest man diese Meldungen. Die seit Jahrzehnten, gerade in Westdeutschland so stolz gepflegte Wettbewerbsgesellschaft hat doch üble Nebeneffekte.

Bei Sportwettbewerben steigen nur die drei Besten aufs Treppchen und da wird auch nur der 1. Platz wirklich wichtig genommen, und die Leistungen der anderen Menschen sind ausgeblendet. Im Sport bedeutet das, dass der Siebt-Platzierte vielleicht hundertstel Sekunden "langsamer" ist. Und schon ist er weniger wert.

Dass in der Gesellschaft, in ihrem Bereich, alle Menschen zum Gelingen des Gemeinwesens beitragen, wird in der Wettbewerbsgesellschaft verdrängt. Nur vorne stehen, im Rampenlicht, ist scheinbar bedeutsam. Was aber ganz und gar nicht der Realität des Menschseins entspricht.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) würde das schaffen, was in unseren auf Wirtschaft und Kapital, aber nicht auf die Achtung der Menschenwürde ausgerichteten westlichen Gesellschaftsformen all zulange ausgeblendet wurde: Alle Menschen in einer Gesellschaft sind wichtig. Weil sie Menschen sind.

Dieser Aspekt ist zumindest formell in den sozialistischen Gesellschaften hochgehalten worden, auch wenn auch da die Realität etwas anderes zeigte. Das bGE würde offenbaren, dass wir trotz allen Wettbewerbsgehabe einfach nur Menschen sind und allein dadurch einen angemessenen Umgang untereinander beanspruchen dürfen. Dass wir das lernen müssen, diesen angemessenen Umgang, ist durch die Verrohung bedingt, die ich eingangs angesprochen habe, und allgemein durch die in uns Menschen noch drinsteckende Instinkte aus vergangenen Jahrhunderten: Das Leben bestehe man nur im Kampf um die Ressourcen, gegeneinander. Dagegen ist die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen meiner Meinung nach elementar mit den Grundrechten, mit den Menschenrechten verknüpft. Existenzielle Sicherheit schafft Menschenwürde.

Und ebenfalls kürzlich hörte ich einen Beitrag im DLF über die bevorstehenden Wahlen in der Republik Kongo. Die Menschen wüssten nicht wen sie wählen sollen. Egal wer dran käme, es würde sich eh nichts ändern. Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Haben wir in diese Länder unser ach so gutes parlamentarisches Staatssystem exportiert? Und die Idee, durch freie Wahlen würde die Demokratie verwirklicht, würde etwas Gutes erreicht?

Demokratie, freie Wahlen, Parlamente, sorgen nicht dafür, dass es den Menschen besser geht, gut geht. Wahlen sind eine moderne Form von Lobbyarbeit. Wer an die Macht kommt, sorgt für die eigene Gruppe zu erst. Sorgt für sich. Die anderen, die Wahlverlierer, kommen, wenn überhaupt, zuletzt dran, wenn es um die Verteilung der Landes-Wertschöpfung geht, wenn es um die Verteilung von existenzsichernden Gütern geht. Parlamentarische Demokratie hat nichts mit Brüderlichkeit der Menschen untereinander zu tun. Denn Parteien und Wahlen sind in keinem Land notwendig, um festzustellen, dass alle Menschen versorgt sein müssen. Dazu genügt der gesunde Menschenverstand. Die Versorgung der Bevölkerung mit existenziell notwendigen Gütern muss organisiert werden. Die Menschen müssen sich untereinander absprechen und die notwendigen Handlungen vollziehen.

Für die Republik Kongo würde das bedeuten, dass man nicht irgendwelche Parteien wählen müsste, um das Gemeinwesen zu gestalten, sondern die Menschen müssten sich umschauen, wem geht es am schlechtesten, um diejenigen kümmern wir uns zuerst. Was ist in einer Gesellschaft immer wichtig, Bildung, Gesundheit, langfristig stabile Lebensbedingungen. Alle wären dazu aufgerufen bei der Bewältigung dieser Aufgaben mitzuwirken, beizutragen und die Versorgung aller zu organisieren. Wahlen und Parteien sind dabei nicht notwendig.

Montag, 10. Oktober 2011

Ein Stück Theater zur gemeinschaftlichen Wertschöpfung



Szenen am gedeckten Tisch

Bühnenaufbau: Ein langer Tisch (Tapeziertisch), Tischdecke?; Pralinen auf einem silbernen Teller; Kuchen, Pappteller, Gabeln; Wasserflaschen, Plastikbecher oder Gläser; Brot, Messer zum Anschneiden, eins, zwei Kleidungsstücke

Musikinstrument: Trommel

Rollen: (Zum Beispiel) 12 MitspielerInnen; Texte anpassen, ob männlich, weibliche Schauspieler; Rollenzuweisung oder ohne; (Dialoge ausbaufähig)

Das Spiel beginnt:


Verteiler, Selbstständiger (A): Das Brot wurde mit viel Mühe erstellt. Das Rezept habe ich mir erarbeitet, morgens um 4 Uhr stehe ich auf, 12 Stunden arbeite ich am Tag. Jetzt habe ich ein Recht darauf, ich möchte gutes Geld verdienen. Das Kuchenstück kostet 2 Euro.

Braucher, Kunde, Arbeitsloser (B): Guter Mensch, danke das sie für uns Andere die Nahrung herstellen und gerne möchte ich ihnen 2 € zahlen, besitze aber das Geld nicht, weil ich kein Einkommen mehr habe, ich habe meine Arbeit verloren, geben sie mir deshalb das Brot umsonst. Ich habe Hunger und muss essen.

Verteiler, Selbstständiger (A): Das tut mir aber leid das Sie arm sind. Aber da kann ich keine Ausnahme machen. Das würde mich ruinieren. Alle, die etwas von mir haben wollen, müssen dies bezahlen.

BraucherIn (D): Hallo ich sehe, sie bieten Wasser an. Ich habe Durst, geben sie mir doch ein Glas Wasser.

Verteiler, Verkäuferin (C): Ja gerne, guter Mensch. Ich stehe hier, um Durstigen zu trinken zu geben. Haben sie denn auch etwas für mich, was sie mir geben könnten?

BraucherIn (D): Ich kann ihnen gerne ein Lied vortragen, über die Güte des Menschen. Wäre ihnen das Recht?

Verteiler, Händler (E): Möchten sie diesen Kuchen, ich kann ihnen diesen geben? Was können sie mir dafür zahlen?

BraucherIn (F): Geld habe ich keines, aber Bezugsscheine. Kann ich ihnen diese geben, für ein Stück Kuchen?

Verteiler, Händler (E): Gerne nehme ich diese. Sie sind durch die Gemeinschaft gedeckt und deshalb von Wert. Hier ist der Kuchen.

Verteiler, Händler (G): Hier habe ich exquisite Pralinen. Hat jemand Lust diese zu essen? 4 Euro das Stück, so gut sind sie.

BraucherIn (H): Ja ich nehme eine. Ich habe Geld wie Heu und brauche keine Pralinen. Ich nehme aber eine, weil ich es mir leisten kann.


VerteilerIn (I): Hier ist Brot und Wasser, wer will es haben?

Braucher, Reisende/r, Wandersfrau, -mann (J): Ich nehme gerne Wasser und Brot. Komme ich doch von weit her und brauche dieses jetzt, um zu leben. Auch ein Dach über dem Kopf des Nachts und Energie zum Kochen und mich zu wärmen muss ich haben, um nicht zu Schaden zu kommen.

VerteilerIn (I): Es ist alles da. Aber gegen was wollen sie es denn tauschen? Haben sie hier Anrechte erworben, besitzen sie Geld oder andere Werte oder haben sie besondere und außerordentliche Fähigkeiten?

Braucher, Reisende/r, Wandersfrau, -mann (J): Nichts dergleichen gute Frau. Von der langen Reise und den Schwierigkeiten in dieses Land zu kommen, bin ich müde und geschwächt und kann deshalb erst mal gar nichts anbieten. Ich bin nur ein Mensch und will meine Existenz erhalten. Gelingt mir dies in ausreichendem Maße, werde ich weiter sehen, was ich sonst noch so machen könnte und wie ich mich im Leben und in der Gemeinschaft einbringen kann.


VerteilerIn (I): Nur Mensch sein allein, reicht nicht, damit ich sie in ihrer Existenz unterstütze. Sie müssen weitere Bedingungen erfüllen, damit sie Hilfe bekommen.

Braucher, Reisende/r, Wandersfrau, -mann (J): Aber ist dies nicht unmenschlich, wie sie sich verhalten? Warum sollte ich weitere Bedingungen erfüllen, damit sie mich menschenwürdig behandeln. Geben sie mir alles, was ich für meine Existenz brauche einfach so!

VerteilerIn (I): Wenn ich ihnen einfach so helfe, kommen immer mehr Menschen zu mir, die „einfach so“ Hilfe haben wollen. Dann will niemand mehr für die Güter bezahlen oder für den Erwerb derselben Bedingungen erfüllen.

Braucher, Reisende/r, Wandersfrau, -mann (J): Jeder der zahlen kann, wird dies tun. Es geht doch nur um die Menschen, die dies nicht können. Die dies momentan nicht können. Sie brauchen immer die existenzsichernden Güter, egal welche Marktpreise es gibt oder welche weiteren Hürden die VerteilerInnen gegenüber den BraucherInnen aufbauen.
Die Wertschöpfung der reichen Industrienationen ermöglicht es, allen Menschen eine bedingungslose Grundversorgung zu gewähren. Man muss dies nur wollen und für richtig erachten.

Verteiler, Politiker (K): Hier ist Wasser und Brot, 50% der gesellschaftlichen Wertschöpfung kann ich verteilen. Das Verteilen dieser gigantischen Menge an Gütern und Dienstleistungen ist eine meiner Hauptaufgaben und eines meiner Hauptinteressen, die ich bei meiner Arbeit habe. Politiker sein, heißt Wertschöpfungsverteiler sein. Ich kann diese an mich selbst verteilen, an die Lobby, der ich zugeneigt bin. Ich kann eine Günstlingswirtschaft pflegen oder nach dem Gießkannen-Prinzip verfahren. Alles ist möglich. Mit solch' einer Macht hat mich der Bürger per Wahlentscheidung ausgestattet. Das ist die Parlamentarische Demokratie. Sie nimmt dem Bürger die Entscheidung und gibt sie mir.

Arbeitslose, prekär Beschäftigte (L): Ich will Wasser und Brot. Ich brauche diese Dinge, um leben zu können.

Verteiler, Politiker (K): Kein Problem gute Frau. Die Dinge sind da und ich habe die Macht sie zu verteilen. Aber hast du auch alle Bedingungen erfüllt, die ich für dich aufgestellt habe? Hast du dich regelmäßig bei der für dich zuständigen Behörde gemeldet, hast du vollständige Angaben darüber gemacht mit welchen Menschen du zusammenwohnst, wie viel Einkommen diese haben. Warst du immer bereit auch die niedrigste, unbequemste, entwürdigenste Arbeit anzunehmen? Meldest du immer deiner Behörde, wenn du deinen Wohnort wechselst, wann und wie lange du in Urlaub fährst, ob du Gespartes hast oder Immobilien und welche Einzahlungen du auf deinem Konto hast und von wem diese sind?
All dies ist Voraussetzung, damit ich dir existenzielle Sicherheit gewähre.

Arbeitslose, Prekär Beschäftigte (L):
Ich soll mich von ihnen und ihren Kontrolleuren erniedrigen und unwürdig behandeln lassen, damit die Gemeinschaft mir hilft, existenziell gesichert zu sein? Unverschämt, infam und dreist, wie sie sich verhalten. Sie treten die Menschenrechte mit Füssen. Diese Gängelung und Bevormundung des Volkes hat ihnen der Souverän, der Bürger erlaubt? Ich kann es nicht glauben.

Verteiler, Politiker (K): Das Volk getraut sich nicht, dem Staat in die Arbeit zu pfuschen. Es ist unmündig und ängstlich. Und mir kann es nur recht sein. Festigt es doch meine Macht.

3 BraucherInnen gleichzeitig (N): Wir wollen Brot, Wasser und Kleidung. Wir haben kein Geld, sind in Not und brauchen es jetzt.

Zwei Trommelschläge, ein wenig zeitversetzt, nachdrücklich ...

Verteiler, Politiker (K): Wer nichts zahlen kann, kriegt nichts!


3 BraucherInnen (N)Reagieren jetzt ungehalten, empören sich, maulen; Erste/r versucht zu stehlen, Zweite/r geht den Politiker aggressiv an, Dritte/r versucht zu betrügen (Falschgeld)

6 BraucherInnen (P) wenden sich den Zuschauern zu. Gleichzeitig setzt ein Trommelwirbel ein, der in Schritttempo übergeht. Sie sprechen: Die Wertschöpfung ist die unserer Gemeinschaft. Alle Menschen brauchen zuerst das Wichtigste, die Existenzsicherung. Danach kommt die individuelle Verteilung, gemäß individueller Leistungen und Kräfte. Die Gesellschaft braucht gemeinschaftliches, verantwortliches Verhalten, die die Würde des einzelnen Menschen achtet.
Existenzielle Not und unwürdige Abhängigkeiten werden wir nicht mehr zu lassen. Wir werden anstelle der Politiker selbst, direkt, entscheiden. Die bedingungslose Existenzsicherung für alle Menschen muss Teil der Menschenrechte werden. Die Menschenrechte als Individualrechte haben Vorrang vor den Gruppenrechten.



Um was geht es - Dialoginhalte

A – B Stichwort „Leistung muss sich lohnen“, in Richtung: Industrielle versus individuelle Produktion – Individuelle, handwerkliche Produktion, teuer, Handarbeit, hoher Stundenlohn, langwierige, genaue Arbeit; aber → Preis pro hergestellte Einheit sinkt bei industrieller, automatisierter und rationalisierter Produktion. Maschinen übernehmen weitestgehend die Herstellung der Waren.

C – D Stichwort „Tauschwirtschaft, Tauschhandel“,
Angebote der Tauschringe mit einbeziehen, Geld ist nicht zwingend Tauschmittel.

E – F Stichwort: „Bezugsrechte organisieren“, z.B. über Belege, Scheine. Es geht um den Bezug der existenzsichernden Güter, nicht um den Besitz von Geld. Sind die Güter da, ist das wichtigste erreicht.

G – H Stichwort: „Ungleicher Reichtum“, exorbitante Einkommen bei einer kleinen Gruppe, Vergrößerung des Niedriglohnbereichs in den letzten Jahren, Verarmung größerer Bevölkerungsgruppen.

I – J Stichwort: „Habenichts“ und „Wo komm' ich her, wo will ich hin“, Menschen die unterwegs sind.
Man kommt irgendwo her und geht irgendwo hin, hat nichts und bringt nichts mit, außer sich selbst. „Unterwegs“ muss man essen, trinken, schlafen, braucht Wärme und Energie für tägliche Verrichtungen. Sind die Dinge dafür da, dies erledigen zu können?
Perspektive: Die Gemeinschaft stellt die Dinge und Dienstleistungen zur Verfügung, die die Menschen brauchen. Die Menschen nutzen sie bei ihren täglichen Unternehmungen.

K – L Stichwort: „Der Wähler und der Parteienstaat“, Rolle des Bürgers in der Gesellschaft und der Politiker; wer entscheidet; wer sollte entscheiden: (Souverän) Bürger <->Politiker,
Parlamentarische Demokratie <-> Direkte Demokratie.
Politiker, entscheidet gegen die Bürger, vertritt nicht die Interessen der Bürger, missachtet die Menschenrechte bei seinen Entscheidungen.
Bürger, „gibt seine Stimme ab“, verliert seine Stimme, hat nichts mehr zu sagen, im Parteienstaat.
Der Politiker kann mit seinen Entscheidungen den Menschen schaden. Direkte Entscheidungen durch die Bevölkerung sind möglich durch die Online-Internetmöglichkeiten, Internetvoten, -abstimmungen, projekt- und themenbezogen.

Die aktuelle Lage und Situation in den Gesellschaften lässt zukünftig verschiedene Szenarien denkbar erscheinen: Gewalt gegen die staatliche (Un) Ordnung, „Jeder ist sich selbst der Nächste“, Anarchie.

P Die alte, gescheiterte Gesellschaftsordnung wird abgelöst, durch ein neues Konzept stärkerer direkter Entscheidungsbeteiligung durch den Souverän, die peu à peu ausgebaut wird. Ein weiteres Menschenrecht wird den bestehenden Rechten hinzugefügt: Die bedingungslose, materielle Existenzsicherung. Dieses wird direkt durch die Bevölkerung installiert und hat Vorrang vor allen anderen Sicherungs- und Freiheitsentscheidungen der Gemeinschaft. Die Gewährleistung der Menschenrechte ist Hauptanliegen des Staates.
Individualrechte (im Sinne der Menschenrechte) haben Vorrang vor Gruppenrechten.


Idee und Text:Thomas Oberhäuser, 13.08.2011



Text steht unter CC-Lizenz

Creative Commons Lizenzvertrag



Donnerstag, 22. September 2011

Was ist Grundeinkommensarbeit?


Überlegungen zur Grundeinkommens-Arbeit – Ein Brief an die Gruppe

Mit Motivation, wo hin?

Ich möchte hier aus einer Email zitieren:

... unsere Gruppe trifft sich wieder am 04.04.10....... Wenn Sie mögen kommen Sie dazu und schauen sich die Gruppe an. Ob sich in nächster Zeit Aktivitäten ergeben, kann ich nicht sagen. In der Vergangenheit haben wir einige Veranstaltungen durchgeführt, sind jetzt aber auf der Suche wie wir weiter machen. Wir sind daran interessiert die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu verbreiten, haben aber nicht unbedingt den Kontakt zu politischen Parteien gesucht, da wir meinen, dass die Idee nicht von oben verordnet werden kann.“



Kann es sein, dass diese Absicht, als Motiv für Grundeinkommens-Arbeit viel zu schwach ist?

Wenn man diese Absicht, „die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu verbreiten“ mal genauer untersucht, können tatsächlich Zweifel entstehen, ob sie genügend Motivation für die tagtägliche Grundeinkommensarbeit hergibt.

Die Idee verbreiten bedeutet, über die Idee informieren. Aber wen wollen wir denn informieren? Bei ein, zwei Veranstaltungen in der Vergangenheit, hatten wir im Vorfeld Flyer verteilt. Da konnte man ja sehr gut sehen, welche Menschen einem begegneten. Aber auch die Veranstaltungen selbst hinterließen einen Eindruck, welche Menschen anwesend waren. Sowohl bei den Infoständen als auch bei den Vortrags-Veranstaltungen sind, ich schätze mal 80% Menschen anzutreffen, die bereits von der Idee wissen. Das sind Menschen, die man nicht mehr über die Idee des bGE informieren muss. Man bekommt von ihnen entweder die Antwort, ja die Idee kenne ich, ich bin dafür, oder sie sagen, dass sie die Idee kennen, aber dagegen sind.
Menschen, die nach 6 Jahren Götz-Werner Talk-Shows, Zeitungsartikeln, Radio-Features, Interviews und so weiter, nach der Arbeit vieler weiterer Grundeinkommens-Aktivisten, wie Sascha Liebermann, Daniel Häni, Enno Schmidt, Susanne Wiest und viele andere, immer noch nicht, also überhaupt noch nicht von der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen gehört haben sind eher selten. In dieser Gruppe sind aber auch die Leute, die sowieso nicht politisch interessiert sind und eine abwehrende Handbewegung machen, wenn man ihnen einen Flyer über das Thema in die Hand drücken möchte.

Wenn man also unter diesem Aspekt unsere Anliegen und den uns selbst gegebenen Auftrag sich anschaut, können schon Zweifel aufkommen, ob das sehr motivierend auf die TeilnehmerInnen wirkt, überwiegend bereits Informierte zu informieren, mit Gegnern zu diskutieren und Desinteressierte anzusprechen. Es ist schlichtweg nicht nötig und überflüssig. Und die wenigen Gutwilligen und trotzdem völlig Ahnungslosen in Deutschland ausfindig zu machen, soll das wirklich unser Schicksal sein?

Ich will aber nicht ausschließen und so sehe ich es ja bei mir selbst, dass es ein Prozess ist, für sich herauszufinden, was man eigentlich mit dem Thema will, was für einen selbst Grundeinkommensarbeit ist und inwieweit diese sinnvoll in einer Gruppe sein könnte. Hier möchte ich kurz auch einige Einzelheiten ansprechen:

Grundeinkommensarbeit ist nicht Grundeinkommensarbeit. Spätestens, wenn man sich in die Einzelheiten der Thematik einarbeitet, sieht man Unterschiede. Es ist nicht egal, ob man für oder gegen die Konsumsteuer ist, oder sich eines Urteils enthält, ob man gegen oder für den bGE-Protagonisten Götz Werner ist, ob man etwas gegen Unternehmer hat oder nicht, ob man für das bGE ist und gleichzeitig für eine Partei aktiv ist, oder nicht. Es ist ein Irrtum zu glauben, mit jeder Person sei eine Zusammenarbeit möglich, nur weil diese beim Stichwort „Grundeinkommen“ hier gerufen und die Hand gehoben hatte. Deshalb ist es immer wieder wichtig, zu schauen, ob man in der bGE-Gruppe noch „in einem Boot sitzt“ und in die gleiche Richtung rudert.

Aber wenn es vom Sachverhalt her gar nicht unsere Arbeit sein kann, über das bGE zu informieren, was ist dann unsere Arbeit (Arbeitsaufgabe)?
Auch ich habe mich in den letzten vier Jahren, in denen ich mich mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigte, in meiner Haltung zu diesem Thema verändert. Seien wir doch mal ehrlich, die Idee zu verstehen, ist doch wirklich einfach. Aber was kommt dann, besonders, wenn man sagt, ja, die Idee habe ich verstanden und finde sie gut? Kommt da wirklich spontan der Wunsch, die Anderen über das bGE zu informieren oder denkt man nicht an was anderes? Ja, das Grundeinkommen müsste her! Oder? Eigentlich müsste einem einfallen, dass man sich für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommen einsetzen möchte.

Ich hatte mich das erste Mal damit beschäftigt, ob das nicht vielleicht meine Motivation ist, Grundeinkommensarbeit zu machen, nachdem ich einmal ein Interview mit Götz Werner gelesen hatte und er dort sagte, er setze sich für die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommen ein und ich mir überlegte, ob ich das nicht eigentlich auch will und diese Haltung eine bessere Motivation hergibt als der einfache Informationsvermittlungs-Anspruch. Hinzu kam, dass bei der Argumentation Pro-Grundeinkommen der Menschenrechtsaspekt ein starker Stützpfeiler des bGE-Konzeptes ist (Verletzung der Menschenrechte durch die Hartz4-Gesetze; Existenzsicherung als Grundrecht) und man eigentlich gar nicht anders kann, als für die Einführung von Menschenrechten sich einzusetzen.
Hat man dann einmal die Spur gefunden und das Ziel der eigenen Grundeinkommensarbeit neu formuliert, gewinnt der Informationsvermittlungs-Anspruch plötzlich eine ganz andere Qualität. Denn jetzt geht es nicht mehr darum, nur zu informieren, weil die Idee so gut ist und weil man meint, wirklich alle sollten informiert sein, sondern der Wunsch zu informieren ergibt sich aus dem Anspruch, die eigene Arbeit für die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommen zu begründen.


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Kultur- und Bildungsaktivitäten bezüglich der eigenen Selbsterbauung und Selbstoptimierung, sind ein Einstieg. Wichtig ist es, bezogen auf das Zusammenleben und die Verständigung der Menschen untereinander, aktiv ein Leben lang, sich für eine gute Gesellschaftsgestaltung einzusetzen. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist dabei ein erstes Stichwort. Diese Aspekte sind dem Autor ein besonderes Anliegen.